LR 1600/2 Brückenbau in Wiesbaden

Gigantische Szenerie in zwei Teilen

Brückenbau am Kasteler Gleisdreieck in Amöneburg wurde zum Publikumsmagnet


Am Osterwochenende 2014 waren wir Teil einer der größten Bahnbaustellen und Infrastrukturprojekte im Rhein-Main-Gebiet: Dem Brückenbau am Kasteler Gleisdreieck in Amöneburg.
Seit einigen Jahren investiert die Deutsche Bahn in die Erneuerung von Brückenkonstruktionen im gesamten Bundesgebiet. Alte Brücken aus den Anfängen des vorigen Jahrhunderts sollen sukzessiv durch neue ersetzt werden. Die Bauarbeiten in Amöneburg wurden bereits im Herbst 2011 aufgenommen. Die Brückenerneuerung war nur ein Teil einer großflächigen Gleiserneuerung seitens der Deutschen Bahn.
Für uns ging es in der Woche vor Ostern los. Alles wurde für den ersten Hub vorbereitet, der in der Nacht zum Ostermontag stattfinden sollte. Der Aufbau der zwei Raupenkrane wurde wie folgt durchgeführt: LR 1600/2 mit Ballastwagen, 48 m Hauptmast, 36 m Derrickausleger und er wurde mit insgesamt 605 t ballastiert. Der SL 3800 wurde ebenfalls mit 48 m Hauptmast sowie 
36 m Derrickausleger aufgebaut und mit 515 t Ballast für einen sicheren Stand versehen. Das Besondere an diesem Einsatz war, dass ein Großteil der Arbeiten in der Nacht stattfinden mußte, um den S-Bahn- und Zugverkehr so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Das Zuggleis im Baustellenbereich wurde für jeden der Brückenhübe gesperrt und das Überqueren der Gleisanlagen strengstens kontrolliert. Außerdem sorgte die 80 Quadratmeter große Besucherplattform für ernormes öffentliches Interesse und machte die Arbeiten zu einer Inszenierung. Der Ablaufplan dieser Inszenierung ging dann wie folgt von statten: Die beiden eingleisigen, stählernen Fachwerküberbauten, von rund 80 und 85 m Länge und einem Gewicht von ca. 480 t wurden mit SPMT-Modulen in Position gefahren und von den beiden Raupenkrane im Tandemhub auf die Widerlager eingehoben.
Doch so schnell ging es natürlich nicht: Zuerst mussten in den Tagen davor die beiden Widerlager- und Stützwandfertigteile mit einem Gewicht von ca. 530 t für die neue Brücke eingehoben, befestigt und anschließend mit Beton ausgefüllt werden. In der Nacht auf den Ostermontag begannen wir mit dem Hub der ersten, westlichen, über 80 m langen Stahlfachwerkbrücke. Diese musste zu Beginn vor Ort final eingepasst werden, damit sie mit den Widerlagern eine Verbindung eingehen konnten. Unser LR 1600/2 und der SL 3800 hatten das Schwergewicht von rund 480 t an die Haken genommen und über die Gleise hinweg an Ort und Stelle manövriert. Hier wurde die Brücke in Schwebe gehalten, damit ein Team von der Stahlbaufirma die Konstruktion an einer seitlich angebrachten Plattform vom Boden aus kürzen konnte. Das überflüssige Teilstück demontierten wir mit unserem Hilfskran und brachten es aus dem Arbeitsbereich. Nachdem die Schweißkanten an dem Brückenteil sauber abgeschliffen waren, wurde die Brücke mit viel Fingerspitzengefühl in ihre Endposition eingehoben. Mit einem satten metallischen Geräusch griffen die Elemente ineinander. Der erste Teil war geschafft. Am nächsten Tag ging es an den Hub des östlichen Brückenelementes, der ohne unvorhergesehene Zwischenfälle abgeschlossen werden konnte.
Um den Zugverkehr auch während der gesamten Arbeiten möglichst reibungslos fortzuführen, arbeitete Uwe Langer mit dem Auftraggeber zusammen ein Konzept aus, welches bei Hubteilen dieser Gewichtsklasse als bisher einzigartig in Europa gilt. Die Fundamente betonierte man vorab neben dem Gleisbett und hob sie dann in die dafür vorbereiteten Gräben.
Mit diesem Einsatz zeigte sich wieder einmal der hohe Stellenwert einer präzisen Planung für den reibungslosen Projektverlauf.