Transport einer Drehbrücke mit Montage

Einsatz bei Nacht und Nebel

Transport mit anschließender Montage der rekonstruierten Drehbrücke des Mainzer Winterhafens

Rund 132 Jahre ist die historische Drehbrücke am Mainzer Winterhafen alt. Die Drehvorrichtung war bereits seit 1996 aufgrund eines Defekts stillgelegt. Doch Ende 2009 wurde das nicht mehr sanierbare Bauteil durch eine nagelneue Konstruktion ersetzt.

Im März 2009 war die alte Brücke zerlegt, in 3 Teilen demontiert und die Neukonstruktion bei der Firma Huhle Stahl- und Metallbau GmbH in Auftrag gegeben worden. Während der 6-monatigen Konstruktionszeit wurden am Sandsteinpfeiler und den beiden Widerlagern parallel umfangreiche Sanierungsarbeiten durchgeführt. Dabei wurde auch die auf dem Pfeiler befindliche Hydraulik getauscht.

Fertiggestellt wurde das 37,4 x 4,65 m lange Element bei der Firma Huhle, deren Sitz in Wiesbaden ist, im Oktober 2009. Die 2,5 km lange Transportstrecke zum Schiersteiner Hafen barg gleich zu Beginn, an der Ausfahrt des Firmengeländes, einen Prüfstein welcher dank Einsatzes zweier 6-achsiger SPMT Module mit Drehschemel problemlos überwunden werden konnte. Am Hafen wurde die 50 t schwere Stahlkonstruktion mittels unseres LTM  1500-8.1 mit 36,9 m Hauptmast  bei einem Lastfall von 50 t mal 24 m Ausladung gegen 6 Uhr in der Früh zum Verschiffen nach Mainz auf ein Ponton verladen. Die kurze Flussüberfahrt war aufgrund des Gesamtgewichts nicht zu umgehen, die Winterhafenbrücke wäre für einen Transport über die Schiersteiner oder die Theodor-Heuss- Brücke schlichtweg zu schwer gewesen. Für die Hafenmole wurde extra ein statisches Gutachten erstellt, doch der niedrige Wasser-stand des Rheins machte zum Stichtag auch diesen Transportweg schwierig: Das Schubschiff konnte nicht nah genug an die Mole gesteuert werden und so musste das Brückenteil leicht asymmetrisch  auf dem Schiff gelagert werden.

Nach eintägigem Zwischenstopp im Mainzer Industriehafen ging die Reise des Kolosses weiter. Im dichten Nebel konnte das Schubschiff die neu konstruierte Drehbrücke zunächst gar nicht und schließlich nur in Begleitung der Wasserschutzpolizei zu ihrem Bestimmungsort rheinaufwärts fahren, wo sie mit einstündiger Verspätung eintraf. Auf der Straße  hatte unser Team bereits den 500 t Autokran LTM 1500-8.1 mit 35 m Wippspitze aufgebaut, dessen Haken  die Last der neuen zweiflügligen Drehbrücke aus genietetem Stahlfachwerk bei einem Lastfall von 50 t mal 28 m Ausladung aufnahm. Nach erfolgter 90° Drehung und Schwenk über den bereits präparierten Mittelpfeiler und die Widerlager wurde das Element millimetergenau abgesetzt. Hierbei war Fingerspitzengefühl gefordert: Die Planungen zeigten deutlich, dass es für das Einsetzen der 50 t schweren Stahlbrücke auf dem 20 cm messenden Königszapfen‚ dem Drehpunkt der gesamten Mechanik, nur einen Versuch geben wird. Ein temperaturgesteuertes Verfahren half beim zielgenauen Absetzen auf dem Drehzapfen.

Gegen 11 Uhr konnten schließlich Vertreter der Stadt Mainz, zahlreiche Mitarbeiter der Firma Huhle, für die dieser Auftrag einer der bis dahin größten der Betriebshistorie war, sowie etliche Schaulustige, Filmteams und Fotografen die neue Drehbrücke im historischen Look betrachten. Nur das Betreten war noch nicht erlaubt, vorher mussten neben dem Verlegen des Bohlenbelages und der Montage von fehlenden Geländerteilen und dem Handlauf noch die Mechanik und Hydraulik des Drehkranzes geprüft und feinjustiert werden.

Am 11. Dezember konnte das 1,1 Mio. Euro Projekt mit der Einweihung der Brücke feierlich abgeschlossen und die denkmalgeschützte Drehbrücke erstmals betreten werden.